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Diese Pariser, sagte der Wiener

"Es war ein Pariser, der um drei Uhr morgens aufstand und zwei Stunden lang in den blauen Himmel hinaufschaute, um das Äquinoktium auf einer Wolke vorbeifahren zu sehen; und wieder ein Pariser, der den Astronomen Cassini bat, nach vorübergegangener Sonnenfinsternis die Observation ihm zuliebe nochmal zu machen."

Johann Pezzl: Skizze von Wien. Ein Kultur- und Sittenbild aus der josefinischen Zeit (1786 f.), hrsg. v. Gustav Gugitz und Anton Schlossar, Graz 1923, S. 187.


Ähnlich Friedrich Heinrich Jacobi als Präsident der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in seiner Rede "Über gelehrte Gesellschaften, ihren Geist und Zweck", München 1807:

"Eine vornehme Pariserin begriff vollkommen das Gute des Mondes, weil er unsere Nächte erhellt. Aber wozu, bei hellem Tage, die Sonne am Himmel stünde konnte sie nicht begreifen." (Seite 9, Fußnote)

Man nahm sich damals wohl gerne das überkandidelte Paris zur Zielscheibe manchen Spotts.

Was Jacobi auf Seite 9 noch geschrieben hat, klingt aber auch nicht schlecht:

"Die Unwissenheit, sagt Fontenelle in seiner unsterblichen Geschichte der Pariser Akademie der Wissenschaften, -- behandelt gern als etwas Unnützes, was sie nicht kennt, und rächt sich auf diese Weise. 'Haben wir nicht um unsere Nächte zu erleuchten unseren eigenen Mond; was liegt daran zu wissen, dass der Planet Jupiter solcher viere hat, wozu so viele Beobachtungen, so viele mühsame Berechnungen, um ihren Lauf zu erfahren. Wir werden davon nicht heller sehen; und die Natur, welche diese kleinen Gestirne uns so weit aus den Augen rückte, scheint sie für uns gar nicht gemacht zu haben' -- gleichwohl sind jene vier, dem bloßen Auge unsichtbaren Monde des Jupiters, uns viel nützlicher geworden, als der uns so hell leuchtende eigene. Erst seit unserer Bekannschaft mit jenen haben Geografie und Schifffahrt sich verbessern, ohne alle Vergleichung vollkommenere Land- und Seekarten entstehen, und vornehmlich durch die Genauigkeit der letztern das Leben unzählicher Seefahrer gerettet werden können. Dieses Beispiel von den Trabanten des Jupiters ist nur eines von so vielen, die für den Nutzen astronomischer Arbeiten, und zur Rechtfertigung des großen Aufwandes aller Art, welche dieses Wissenschaft erfordert, gemacht werden können. Die Menge der Vornehmen und Geringen aber weiß nichts von den Trabanten des Jupiters, erinnert sich ihrer höchstens nur auf eine dunkle und verworrene Weise, kennt noch weniger ihre Verbindung mit der Schifffahrt, ja sie hat wohl kaum ein Gerücht davon vernommen, dass diese seit kurzem sich so sehr vervollkommnet habe."

(An der Setzung der Anführungszeichen habe ich gegenüber dem Original, bei der Rede der Unwissenheit, eine sinnvolle Ergänzung vorgenommen.)

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